Bekleidung - Unsere zweite Haut

Ökologische Probleme der Herstellung und Verwendung von synthetischen Textilien

Die Verwendung von Synthesefasern für Bekleidungszwecke wirft prinzipiell die gleichen Probleme auf, wie sie bei Kunststoffen, die zu anderen Zwecken verwandt werden, gelten. Im wesentlichen sind in diesem Zusammenhang drei Punkte hervorzuheben.

1. Die Produktion von Kunststoffen ist mit einem erheblichen Verbrauch an Energie und Rohstoffen sowie Schadstofffreisetzung verbunden.

2. Kunststoffe enthalten giftige Bestandteile wie Stabilisatoren und Restmonomere (einzelne Moleküle die erwiesenermaßen Krebs erzeugen können). Sie können in angrenzende Materialien, bei Textilien also in die Haut wandern und damit zur Gefährdungen der Gesundheit führen.

3. Kunststoffabfälle stellen ein erhebliches Problem dar. Sie sind schwer abbaubar, und ein Recycling ist selten möglich.

Polyvinylchlorid (z.B. Movil) und Polyacrylnitril (z.B. Dralon, Acryl) enthalten krebserregende Restmonomere. Allerdings wird bei Textilfasern - anders als bei anderen Kunststoffartikeln - ein Großteil der Restmonomere durch Heißwäschen entfernt. Andernfalls wären die Spinn- und Webmaschinen nach kurzer Zeit total verklebt. Dennoch ist davon auszugehen, daß geringe Reste immer in den Textilfasern zurückbleiben.

Beim Vergleich der Eigenschaften unterschiedlicher Textilien muß auch die Eigenschaft der elektrostatischen Aufladung besonders erwähnt werden. Unbehandelte Synthesefasern besitzen ein hohes elektrisches Isoliervermögen, was dazu führt, daß durch Reibung ent­standene elektrische Ladungen nicht abgeleitet werden können. Die Textilien laden sich elektrostatisch auf. Mit dieser Aufladung ist das bekannte Knistern oder Aufleuchten im Dunkeln zu erklären, das beim Ausziehen von Synthetics auftreten kann. Es kann sogar zu spontanem Spannungsausgleich, also kleinen elektrischen Schlägen kommen, wenn der/die TrägerIn synthetischer Kleidungsstücke mit leitenden Gegenständen in Berührung kommt. Empfindliche Personen reagieren mit Nervosität und Schlafstörungen. Heute werden synthetische Textilien durchgehend antistatisch ausgerüstet.

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Was das Etikett nicht verrät

Auch wenn auf dem Etikett 100% Naturstoffe (Baumwolle, Leinen, Wolle) vermerkt sind, sagt das nicht aus, daß das Kleidungsstück nur aus Naturfasern besteht. Die Rohstoff­gehaltsangabe auf dem Etikett beschreibt nicht alle Bestandteile des fertigen Kleidungs­stücks. Angegeben werden nur die textilen Fasern. Bei Kleidungsstücken müssen die Zu­satzstoffe - anders als bei der Lebensmittelherstellung - nicht angegeben werden. Aufgrund dieser nicht vorhandenen Information fehlt bei Textilien das Wissen über Zusatzstoffe weit­gehend. Auch Ausrüstungsstoffe wie Formaldehyd, Chrom u. ä., die Allergien auslösen können, müssen nicht angegeben werden.

Eine Kleidungsstück mit der Beschriftung 100 % Baumwolle kann z. B. folgende Zusammensetzung haben:

73 % Baumwolle
2 % Polyacryl
8 % Farbstoffe (Azo-farben)
14 % Harnstoff-Formaldehydharz
3 % Weichmacher
0,3 % Optische Aufheller

Kleidungstipps

  • Achten Sie bei der Wahl Ihr Kleidung besonders auf folgende Eigenschaften: Saugfähigkeit, Wärmerückhaltevermögen, Luftdurchlässigkeit
  • Wolle ist als die wertvollste Textilfaser zu betrachten. Von Unterwäsche über Pullover und Sportbekleidung bis hin zu Wetterkleidung aus Walk- oder Lodenstoffen ist Wolle als Textilfaser sehr gut geeignet. Wolle wärmt, saugt Schweiß auf und ist luftdurch­lässig wie keine andere Faser.
  • Tragen sie jedoch keine Wolltextilien auf der Haut, wenn Sie unter Allergien, Ekzemen oder anderen Hautkrankheiten leiden.
  • Tragen sie jedoch keine Wolltextilien auf der Haut, wenn Sie unter Allergien, Ekzemen oder anderen Hautkrankheiten leiden.
  • Im Sommer (bzw. bei höheren Temperaturen) kann Wolle durch Seide ersetzt werden, die ihr in den Eigenschaften sehr nahe kommt.
  • Wolle und Seide lassen sich durch einfaches Lüften reinigen. Waschen Sie Wolle und Seide nur, wenn sie sichtbar verschmutzt sind.
  • Baumwolle und Leinen sind glatte, hautfreundliche Textilien, die sich gut waschen lassen. Sie sind für Zwecke geeignet, in denen Wolle und Seide nicht verwendet wer­den können.
  • Meiden Sie synthetische Fasern bei normalen Kleidungsstücken, denn Synthetics be­lasten die Umwelt und die Gesundheit:
    • in der Herstellung - durch hohen Energie- und Rohstoffverbrauch
    • beim Tragen - durch giftige Bestandteile wie Stabilisatoren und Restmonomere
    • bei der Pflege - durch hohen Wasser-, Energie- und Waschmittelverbrauch
    • als Abfall - da Recycling in den seltensten Fällen möglich ist
  • Für Spezialkleidung wie Taucheranzüge, Schutzanzüge, Regenkleidung u. ä. sind Synthetics allerdings unumgänglich und auch sinnvoll.
  • Kleidung aus naturbelassener Wolle sollte vor dem ersten Tragen gewaschen und an­schließend in einer garantiert rückstandsfreien Lanolinlösung (Wollfett von Schäfereien ohne Pestizideinsatz) gebadet werden, es sei denn, die Höhe der Lindanbelastung ist bekannt und als unbedenklich zu beurteilen.
  • Kleidung aus Baumwolle sollte wegen eventuellen Rückständen vorhandener Pflanzenbehandlungsmittel vor dem ersten Tragen gewaschen werden.
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Textilfarbstoffe

Zum Färben von Textilien werden heute in der Regel synthetisch hergestellte Farbstoffe verwandt. Speziell für Synthesefasern wurden sogenannte Dispersionsfarbstoffe entwickelt. Bei den Dispersionsfarbstoffen handelt es sich um wasserunlösliche Farbkörper, die in Form feiner wässriger Dispersionen aufgebracht werden. Die Bindung an die Faser wird durch die hydrophoben (wasserabstoßenden) Eigenschaften der Farbstoffe bedingt, die von den gleichfalls hydrophoben Synthesefasern angezogen werden. Die eigentliche Bindung erfolgt nur durch äußerst schwache zwischenmolekulare Kräfte. Die Dispersionsfarbstoffe lösen sich daher relativ leicht von der Faser ab und können dann zu unangenehmen Reaktionen auf der Haut führen. Im Gegensatz dazu werden beim Färben von Naturfasern die Farbstoffe durch viel stärkere chemische Bindungen an die Fasern gebunden (Ionenverbindung, Atom­verbindung).

Seit ca. 40 Jahren ist die sogenannte Strumpffarben-Allergie bekannt. Bei dieser Krankheit handelt es sich um allergische Hautveränderungen, die durch das Tragen von Strümpfen, Feinstrumpfhosen oder Leggins hervorgerufen werden. Es kommt dabei nach kurzer Zeit des Tragens von Feinstrumpfhosen aus Polyamid (Nylon) besonders an der Innenseite der Oberschenkel zu Juckreiz, Rötung und Schwellung. Diese Erscheinungen treten bei jedem erneuten Tragen wieder auf, breiten sich mit der Zeit auch auf die Waden, Fußrücken und Kniekehlen aus. Die allergischen Reaktionen werden durch die sehr leicht aus den Strümpfen herauslösbaren Dispersionsfarbstoffe ausgelöst, wie eine Untersuchung der Universitätsklinik Eppendorf bestätigte.

Bei den Farbstoffen handelt es sich um sogenannte Azofarbstoffe, die in jeweils ver­schiedenen Mischungen auch zur Färbung anderer synthetischer Textilien eingesetzt werden. So werden bei Vorhandensein einer Strumpffarben-Allergie auch Hautreaktionen auf gefärbte Blusen, Hosen, Kleider u. ä. beobachtet, die als Ekzeme an den Armen, dem Halsauschnitt oder als Schwellung der Lider in Erscheinung treten.

Ist erst einmal eine Allergie gegen Azofarbstoffe bzw. deren Abbauprodukte vorhanden, so können durch beliebige Produkte allergische Erscheinungen hervorgerufen werden, und es ist für betroffene Personen sehr schwierig, das Allergen zu vermeiden.

Die Anstrengungen der Industrie, die Ablösbarkeit der Farbstoffe von den Synthesefasern zu verringern, halten sich sehr in Grenzen, da die Einführung anderer Farbstoffe oder bes­serer Fixierungsmethoden in jedem Fall kostspielig und damit bei billigen Wegwerfprodukten wie Feinstrumpfhosen wenig lohnend ist. Daß eine Verbesserung möglich wäre, belegt die Tatsache, daß in medizinischen Stütz- und Kompressionsstrümpfen die Farbstoffe anders zusammengesetzt und nur schwer ablösbar sind.

Bei der beschriebenen Strumpffarben-Allergie handelt es sich keinesfalls um ein seltenes Überempfindlichkeitsphänomen. Bei dem Verkaufspersonal in den Strumpfabteilungen großer Kaufhäuser sind Feinstrumpfhosen-Unverträglichkeiten allgemein bekannt. Die Dunkelziffer der Farbstoff-Allergien ist vermutlich hoch.

Bei Symptomen von Strumpffarben-Allergie gelten folgende Empfehlungen:

  • Verzicht auf das Tragen von Strümpfen oder Feinstrumpfhosen aus Nylon
  • Ausweichen auf Woll- oder Seidenstrümpfe.
  • Entfärben und anschließendes Neufärben der Feinstrumpfhosen.
  • Verzicht auf Textilien aus synthetischen Faserstoffen
  • Verzicht auf Haarfärbemittel, die Abbauprodukte der Azofarbstoffe para-Phenylendiamin (PPD) oder para-Toluylendiamin (PTD) enthalten (Öko-Test6/87)
  • Vermeiden von Lebensmitteln und anderen Artikeln, die Azofarbstoffe enthalten
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Verhaltenstips und Alternativen zu Azo-Farbstoffen

  • Waschen sie alle neuen Kleidungstücke mehrmals vor Gebrauch, um überschüssige Farbstoffe zu entfernen, da diese krebserregend sein können. Bringen sie stark ausfärbende Kleidung als Reklamation ins Geschäft zurück.
  • Das Färben von Textilien im Haushalt ist aufgrund der Energie- und Wasser­verschwendung sowie der Chemikalienprobleme grundsätzlich nicht empfehlenswert.
  • Für HandspinnerInnen ergibt sich die Möglichkeit, auf Wolle unterschiedlicher Naturfarben auszuweichen. Es sind verschiedene Grau- und Brauntöne erhältlich.
  • Als umweltschonende Färbemethode im Haushalt ist das Färben mit gerbstoffhaltigen Pflanzenteilen anzusehen, bei der keine Beizmittel benötigt werden. Ferner ist eine Beize mit natürlichen Gerbstoffen wie Galläpfel oder Tannin möglich.
  • Verwenden Sie keine giftigen Beizmittel wie Chrom- oder Kupfersalze für das Färben von Naturfarben.
  • Benutzen sie keine Haushaltstextilfarben. Sie belasten Ihre Gesundheit und die Umwelt. Nach dem Einatmen des staubförmigen Pulvers kann bei emfindlichen Personen zu schweren Asthmaanfällen.
  • Formaldehyd in der Bekleidung

    Bei Untersuchungen der Zeitschriften Öko-Test und Chancen wurden in Kleidungstücken aus 100% Baumwolle Formaldehyd-Gehalte zwischen 4,2 und 402 ppm gemessen, wobei die Spitzenwerte gerade in Kinderkleidung gefunden wurden. Eine gute Vorstellung von der Höhe der Formaldehydbelastung in Kleidungsstücken, die auf dem bundesdeutschen Markt gehandelt werden, gibt die Übersicht der chemischen Landesuntersuchungsanstalt Offenburg. Dort wurden in den Jahren 1983 - 1987 242 Textilien untersucht, die mit der Haut in Berührung kommen, z.B. Hemden, Schlafanzüge, Bettwäsche, Strümpfe und Windelvlieseinlagen. Rund 63 Prozent der Proben enthielten erfreulicherweise weniger als 100 ppm Formaldehyd. Immerhin ganze 11 Prozent lagen jedoch über 500 ppm, darunter 2 Stoffe mit mehr als 1500 ppm und sind damit als allergieverdächtig einzustufen.

    Formaldehyd ist das einzige Textilhilfsmittel, für das es bisher eine Kennzeichnungspflicht gibt. Ab 1500 ppm freiem Formaldehyd, also erst bei einer Konzentration, die schon trä­nende Augen und gereizte Nasenschleimhäute verursachen kann, müssen Kleidungsstücke folgenden Hinweis tragen: "Enthält Formaldehyd. Es wird empfohlen das Kleidungsstück zur besseren Hautverträglichkeit vor dem ersten Tragen zu waschen."

    Welche Auswirkungen hat Formaldehyd auf die Haut?

    In der Literatur sind "formaldehyd-allergische Kontaktekzeme" beschrieben, die auf formaldehydhaltige Appreturen (Textilausrüstungschemikalien) zurückzuführen sind. Ein Formaldehydgehalt von 1300 bis 4500 ppm kann zur Reizung der oberen Atemwege und brennenden Augen führen. Ab 750 ppm kann eine Allergie ausgelöst werden. Bei schon vorhandener Allergie können bereits bei 300 ppm und weniger Ekzeme entstehen. Bedenken Sie bitte auch, daß Formaldehyd im Tierversuch krebserregend ist. In einem bisher unveröffentlichten Bericht des Umweltbundesamtes heißt es ferner, daß bisher keine Konzentration von Formaldehyd genannt werden kann, die wissenschaftlich begründet als unschädlich für den Menschen gelten kann.

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    Verhaltenstips und Alternativen zur chemischen Ausrüstung

    • Zu meiden sind erkennbar chemisch ausgerüstete Textilien (Kennzeichnung: "superwash", wash and wear", "rapid iron", pflegeleicht", Maschinenwäsche bei Wolle u.ä.), denn die chemischen Ausrüstungen beeinträchtigen die Trageeigenschaften von Naturfasern und enthalten in vielen Fällen gesundheitsgefährdende Stoffe.
    • Alle neuen Kleidungsstücke sollten vor dem ersten Tragen grundsätzlich mehrmals gewaschen werden.
    • Mottenkugeln oder -papiere sollten nicht benutzt werden. Wolle ist in der Regel mot­tenecht (eulanisiert) ausgerüstet (Ausnahme: extra gekennzeichnete Wolle!)
    • Aus Markisenstoff, Segeltuch oder ähnlichen Stoffen keine Kleidungsstücke anfertigen! Textilien, die nicht für Bekleidungszwecke hergestellt wurden, können mit besonders giftigen Substanzen behandelt worden sein.
    • Nicht oder wenig chemisch ausgerüstete Textilien werden von Herstellern teurer Markenkleidung und Naturtextilhändlern angeboten. Vergewissern Sie sich durch Nachfragen über die Behandlung der angebotenen Kleidung. Nicht alles ist wirklich natürlich, was so bezeichnet wird.

    Kunstleder

    Kunstleder sind synthetisch hergestellte Lederimitationen. Auf Gewebe oder Vliese wird da­bei eine Kunststoffbeschichtung aufgetragen. Verschiedene Kunststoffe wie PVC, Polyurethan, Polyethylen, Polyamid u.a. kommen zur Verwendung. Früher wurde überwiegend PVC zur Beschichtung textiler Gewebe aller Art verwendet, da bei PVC, dem an sich harten und spröden Kunststoff durch Zugabe von Weichmachern jede beliebige Weichheit und Flexibilität erzielt werden kann. Diese Weichmacher können aus dem fertigen Kunststoff bei höheren Temperaturen ausdunsten oder in angrenzende Stoffe übergehen. Über ihre gesundheitlichen und umweltschädlichen Langzeitwirkungen ist bisher wenig bekannt. Eventuell ist das Krebsrisiko erhöht. Hinzu kommt das Problem der gesundheitsschädlichen Restmonomere (Vinylchlorid), die aus der Kleidung leicht auf die Haut gelangen können.

    Bei allen Kunststoffen werden weiterhin sogenannte Stabilisatoren sowie Vernetzer und Beschleuniger zugesetzt, über deren gesundheitliche Wirkungen ebenfalls wenig bekannt ist. In jüngster Zeit wird zunehmend Polyurethan zur Beschichtung textiler Gewebe verwandt. Dünne Filme aus diesem Kunststoff besitzen eine gewisse Wasserdampfdurchlässigkeit. Das ist bei Bekleidungsstoffen ja sehr erwünscht. Dennoch ist diese Atmungsaktivität, insbesondere bei höheren Schichtdicken minimal und nicht mit der anderer Textilien zu ver­gleichen. Bei Verwendung von Polyurethan ist kein Zusatz von Weichmachern möglich.

    Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Rauhleder- und Glattlederimitaten. Bei den Glattlederimitaten handelt es sich um einseitig beschichtete Stoffe. Glattlederimitate werden z.B. in der Schuhherstellung, für Gürtel, Taschen u. ä. verwandt. Gegenüber Leder besitzen sie eine geringere Stabilität, sind wenig wasserdampfdurchlässig und nicht saugfähig. Daher sind sie als Bekleidungsmaterial ungeeignet.

    Rauhlederimitate können entweder aus geschmirgelter oder mit Polyurethan beschichteter Maschenware bestehen. Alcantara ist der bekannteste Markenname für derartige Bekleidungsstoffe. Daneben existieren noch Marken wie Amaretta, Camena, Belleseime, Caprina, Crumskin, Delpare, Escaine, Gazelle, Ridiskin, Rubina, Savina und Suedane. Die meisten dieser Stoffe bestehen zu 100% aus Synthetics, nämlich Polyester, Polyamid und Polyurethan. Hergestellt werden daraus Mäntel, Jacken, Kostüme und Röcke. Der Vorteil dieser Lederimitationen liegt darin, daß sie wenig Gewicht haben und sich einfach in der Waschmaschine waschen lassen. Sie sind außerdem luftdurchlässiger und preiswerter als echtes Leder. Im Vergleich zu anderen Textilien sind jedoch sowohl Leder als auch Lederimitate generell weniger atmungsaktiv als Faserstoffe und besitzen ebenso wie Synthetics eine geringe Saugfähigkeit. Vom bekleidungsphysiologischen Standpunkt her sind sie also wenig wertvoll. Hinzu kommen die bekannten Umweltprobleme der verwandten Kunststoffe.

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    Schuhe

    Die Füße sind beim Laufen und Gehen ganz besonderen Belastungen ausgesetzt. Sie tragen das ganze Körpergewicht. außerdem wirkt sich die Stellung der Füße auf die gesamte Körperhaltung aus. Rund 72.000 Nervenbahnen enden oder beginnen in den Füßen und stellen Verbindungen zum gesamten Organismus her. Ferner ist die Schweißproduktion in den Füßen besonders stark und die Hautatmung sehr aktiv. Damit stellen die Füße ein hochempfindliches, sehr wertvolles Körperteil dar. Aus diesem Grund sollte der Fußbekleidung, den Schuhen, besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

    Barfußlaufen in freier Natur, im Sand, auf einer grünen Wiese oder auf weichem Wald­boden ist das beste Mittel zur Gesundherhaltung der Füße, da die Durchblutung gefördert, die Muskulatur gestärkt und der Fuß in seiner natürlichen Trittspur belassen wird. Schon in prähistorischer Zeit wurden Fußbekleidungen erfunden, um die Träger vor Nässe, Kälte, Hitze, Schmutz und Verletzungsgefahren zu schützen. Jedes Schuhwerk kann je­doch die Idealbedingungen des Barfußlaufens nur annähernd erreichen. Außerdem entspricht der Untergrund, auf dem wir heute laufen, auch nicht mehr dem natürlicherweise weichen und unebenen Erdboden. Er ist hart und weitgehend eben. Asphalt, Beton oder Kunststoffe können keine natürlichen Bedingungen gewähren.

    Gesundheitsschäden werden bei Schuhen nicht nur durch Schadstoffe oder Materialien, sondern auch in ganz besonderem Maße durch die Schuhform hervorgerufen. Die Mehr­zahl der heute produzierten Schuhe ist allein aufgrund ihrer Konstruktion gesundheitsschädlich. Die Mode geht hier meistens vor der Gesundheit. Die Mehrzahl der Schuhe ist zu eng. Sie besitzen eine spitze, die Zehen einengende Form. So können Fußverbildungen, Hühneraugen, eingewachsene Nägel, Schwielen und über- oder untereinander­gewachsene Zehen entstehen. Hohe Absätze sowie dicke, unbewegliche Schuhsohlen füh­ren zu einer falschen Belastung des Beckens und der Wirbelsäule und schädigen nach­weislich die Haltung. Auch Knick-, Senk- und Spreizfüße werden durch falsches Schuhwerk begünstigt. Derart unnatürliche Belastungen können vom Körper kurzfristig wieder aus­geglichen werden. Jahrelang eingezwängte Füße können jedoch erhebliche Deformationen bewirken und Schmerzen auslösen, die in den ganzen Körper ausstrahlen. Rücken­schmerzen gehören zu den gängigsten Nebenwirkungen falscher Fußbekleidung.

    Aufgrund der starken Schweißbildung und der starken Hautatmung sind die Eigenschaften des Schuhmaterials von besonderer Bedeutung. Leder eignet sich aufgrund seiner Eigen­schaften besonders zur Herstellung von Schuhen.

    Es ist einerseits sehr strapazierfähig und reißfest, andererseits aber dehnbar und elastisch. Damit ist gutes Leder in der Lage, sich innerhalb gewisser Grenzen genau an die Fußform des Trägers anzupassen, so daß nach einer Einlaufzeit keine Druckstellen mehr auftreten. Außerdem ist Leder saugfähig und atmungsaktiv.

    Nach Aussage des Verbandes der Deutschen Lederindustrie kann man davon ausgehen, daß in den meisten Fällen einige Teile des Schuhs aus Leder bestehen, allerdings nur in Ausnahmefällen alle Teile. Der Unterbau, d. h. der Schuhboden besteht aus Laufsohle, Zwischensohle, Keder, Rahmen, Brandsohle, Vorder- und Hinterkappe, Absatz und Absatzoberfleck. Leder, die zur Herstellung des Unterbaus verwendet werden, werden Unterleder genannt. Es handelt sich dabei immer um Rindsleder. Ein besonders Augenmerk soll­te der Brandsohle gewidmet werden. Die Brandsohle ist die Sohle, auf der wir direkt mit den Strümpfen laufen. Ihr fällt die Aufgabe zu, den Fußschweiß aufzusagen. Synthetische Materialien sind dazu nicht in der Lage. Daher sollte die Brandsohle auf jeden Fall aus Leder bestehen.

    Für die Innenausfütterung des Schuhs gilt das eben Gesagte natürlich genauso. Gerade bei Winterschuhen besteht die Fütterung häufig aus synthetischem Pelzvelour-Material (Nylonpelz). Um mit echtem Lamm- oder Schaffel gefütterte Schuhe zu bekommen, ist schon längeres Suchen erforderlich. Auch bei anderen Schuhen lohnt sich ein Blick ins Innere, denn häufig werden synthetische Materialien verwandt.

    Für das obere Schuhwerk, Schaft genannt, verwendet man das sogenannte Oberleder. Dieses Leder muß besonders den Ansprüchen der Dehnbarkeit und Strapazierfähigkeit genügen. Außerdem ist es wegen der starken Schweißproduktion an den Füßen besonders bedenklich, wenn sich herauslösbare Substanzen in dem verwendeten Leder befinden. Es sei hier noch einmal auf die Problematik der Farbstoff-Allergien und die Möglichkeit einer Allergie gegen Chrom-III hingewiesen. Praktisch alle Schuhe bei denen nicht auf eine pflanzliche Gerbung hingewiesen wird sind Chromgegerbt. Weiterhin ist nicht auszuschließen, daß sich gesundheitsschädliche Stoffe wie Amine, Diamine, Aminophenole oder das Parfümierungsmittel Nitrobenzol im Leder befinden. Allerdings kommt das Schuhleder nicht direkt mit der Haut in Berührung, so daß ein Teil der Stoffe von den Strümpfen gebunden werden kann.

    Das geringste Risiko in dieser Beziehung bildet ungefärbtes, pflanzlich gegerbtes Leder, das heute jeoch kaum noch verwendet wird. Das häufigste Gerbverfahren ist die Chrom­gerbung. Pflanzlich gegerbtes Leder muß monatelang eingeweicht werden, die Chromgerbung benötigt nur einige Stunden. Lediglich Brandsohlenleder wird noch überwiegend pflanzlich gegerbt. Vegetabil oder kombiniert gegerbt wird auch das hochwertige Kalbsfutterleder. Es ist besonders kräftig und saugfähig und wird für sehr gute Sportschuhe, Reitstiefel und Ski-Innenstiefel eingesetzt. Vegetabil gegerbtes Oberleder wird nur noch teilweise für Sandalen (oft mit Deckfarben überzogen) eingesetzt. Einige Hersteller von sogenannten "Naturschuhen" werben damit, daß sie pflanzlich gegerbtes Leder zur Herstellung ihrer Schuhe verwenden. Insbesondere Personen mit Allergien sollten Schuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder bevorzugen.

    Turnschuhe und Billigschuhe werden heute auch häufig aus synthetischem Obermaterial (PVC) hergestellt. Dieses Material kann sich zum einen nicht an den Fuß anpassen, so daß verstärkter Druck auf den Fuß entsteht. Außerdem ist dieses Material völlig luftundurchlässig und nicht saugfähig. Daher bekommt man in solchen Schuhen die berühmten Schweißfüße, die die Entwicklung von Fußpilz begünstigen.

    Auch von den Gummistiefeln ist diese Erscheinung wohl allgemein bekannt. Selbst bei kühler Witterung bekommt man verschwitzte Füße, die außerdem kalt werden. Gummistiefel sind daher für längeres Tragen oder als normale Tagesschuhe völlig ungeeignet. In den aus PVC hergestellten Gummistiefeln können außerdem krebserregende Restmonomere (Vinylchlorid) sowie Weichmacher (chlorierte Kohlenwasserstoffe, Phenole) enthalten sein. Dennoch ist es für manche Verwendungszwecke unerläßlich, völlig wasserdichtes Schuhwerk zu besitzen. Langes Laufen durch nasses Gras, Pfützen oder niedrige Gewässer ist mit Lederschuhen kaum möglich, ohne nasse Füße zu bekommen.

    Auf jeden Fall sollten Gummistiefel jedoch sehr weit gekauft und nicht oben zugeschnürt werden, damit wenigstens nach oben der Wasserdampf entweichen kann. Dicke Wollsocken schützen einerseits vor kalten Füßen und saugen andererseits sehr viel Feuchtigkeit auf.

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    Tipps beim Waschen von Textilien

    • Kaufen Sie nur Textilien, die eine Pflegekennzeichnung besitzen. Baumwollunterwäsche und ähnliche Artikel, bei denen eine 30° Wäsche empfohlen wird, obwohl sie eigentlich kochfest sein müßten, sollten Sie nicht kaufen.
    • Kleidungsstücke die Hautkontakt haben sollten Sie nicht gefärbt kaufen.
    • Testen Sie bei neuen Kleidungsstücken vorsichtig im Handwaschbecken, wie sie auf höhere Waschtemperaturen reagieren.
    • Heben Sie Zahlungsbelege von Textilien bis zur ersten Reinigung auf, um Reklama­tionen zu erleichtern.
    • Bei Fragen zur Textilkennzeichnung oder Reklamationen wenden Sie sich an die örtli­chen Verbraucherzentralen. Sie können fachkundige Hilfestellung leisten.
    • Verzichten sie auf die chemische Reinigung von Textilien und kaufen Sie keine Kleidungsstücke, die nur chemisch gereinigt werden dürfen, denn chemische Reinigungen belasten die Umwelt in erheblichem Maße durch Lösungsmittel.
    • Läßt sich eine chemische Reinigung nicht umgehen, so lüften Sie die gereinigten Texti­lien (insbesondere schwere Stücke wie Teppiche und Gardinen) einen Tag an der fri­schen Luft. Solange der typische Geruch noch wahrnehmbar ist, befinden sich noch erhebliche Mengen Per in dem Textil (die Geruchsschwelle liegt bei 5 ppm!).

    Tipps zur Verminderung der Umweltbelastung

    • Bevorzugen Sie Kleidungsstücke, die möglichst wenig Behandlung (chemische Ausrüstung u.ä.) durchlaufen haben, denn sie verursachen die geringsten Umweltbelastungen.
    • Kaufen Sie mit Naturfarben gefärbte Textilien, denn Naturfarbstoffe belasten die Umwelt weniger als die schlecht abbaubaren, synthetischen Substanzen.
    • Kaufen Sie keine stonewashed, moonwashed oder diamondwashed Jeans. Dieser Modegag verursacht nicht verantwortbare Umweltbelastungen.
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    Globale Kleidung von Simone Münzer

    Der Text handelt von den Verflechtungen der Globalisierung am Beispiel von Kleidung vor dem Hintergrund aktueller Handelsrouten und Wirtschaftsgefällen. Der Wunsch, sich zu schmücken, ist so alt wie die Menschheit. Waren es zunächst Körperbemalungen und Körperschmuck, mit denen Menschen sich dekorierten, kam mit den ersten Stoffen die Kleidung als weitere Ausdrucksform hinzu. Traditionelle Kleidung gab nicht nur Auskunft über die Herkunftsregion ihrer Träger, sondern oft auch über deren Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe, einer Religionsgemeinschaft oder einem bestimmten Berufsstand. Jahrhundertelang funktionierte Kleidung daher als Spiegel kultureller Identität.

    Mit fortschreitender Globalisierung trat diese Funktion der Kleidung fast völlig in den Hintergrund. Globale Werbespots preisen Kleidungsstücke an, die dank internationalen Handels fast überall auf der Welt verfügbar sind. Damit wird eine Konsumwelt geschaffen, in der sich Lebensstile mehr und mehr angleichen. Das wiederum führt unter anderem zum Phänomen globaler Kleidung. Jeans derselben Marke werden heute auf allen Kontinenten getragen. Das Sortiment von Bekleidungsfilialen großer Handelsketten in Großstädten rund um den Erdball unterscheidet sich von New York über Peking bis Berlin nur minimal. Mit Internetzugang lässt sich globale Kleidung von fast jedem Ort dieser Welt ordern.

    Die Bekleidungsindustrie ist ein Wirtschaftszweig, der besonders anschaulich demonstriert, wie umfassend Produktions- und Vermarktungsprozesse im 21. Jahrhundert global vernetzt sind und nach welchen Mechanismen Globalisierung funktioniert. Gerade in dieser Branche sind aber zugleich die sozialen Verwerfungen im Zuge der Globalisierung unverkennbar. Ein Blick auf die Etiketten unserer Kleidung zeigt: sie kommt von weit her. Die meisten unserer Kleidungsstücke haben bereits eine lange Reise hinter sich, bevor wir sie tragen. Tagtäglich kommen wir über unsere Kleidung ganz hautnah mit der Globalisierung in Berührung.

    T-Shirts und Jeans auf Weltreise

    Weltmeister im Textilverbrauch sind die Deutschen mit 28 Kilogramm pro Kopf im Jahr. Rund zwei Drittel davon sind Kleidungsstücke. Darunter T-Shirts für weniger als fünf Euro. Wie kann ein Kleidungsstück, das bereits mehrere Tausend Kilometer gereist ist, bevor es uns als Verbraucher erreichte, weniger kosten als eine Pizza beim Italiener um die Ecke? Darüber machen sich die wenigsten Konsumenten Gedanken. Die amerikanische Wirtschaftsprofessorin Pietra Rivoli ging der Frage auf den Grund, welchen Weg ein T-Shirt zurücklegt bis es in einem entwickelten Industrieland wie den USA verkauft wird und was mit dem Kleidungsstück passiert, nachdem es in einen Altkleidercontainer geworfen wurde. (Rivoli, Pietra: Reisebericht eines T-Shirts: Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft. Econ-Verlag, Düsseldorf und Wien, 2006) Sie begab sich auf die Reise und vollzog den Weg eines in Fort Lauderdale für 5,99 Dollar gekauften T-Shirts nach. Ihr Weg führte sie von Texas über Kalifornien nach Schanghai, weiter zu den Produktionsstätten in China, zurück in die USA und schließlich nach Tansania, wo das getragene T-Shirt ein zweites Mal auf den Markt kam.

    Anhand eines globalen Alltagsprodukts werden so wirtschaftliche Zusammenhänge, und die komplexen Strukturen des Welthandels anschaulich. Gleichzeitig beleuchtet dieser „Reisebericht eines T-Shirts“, welche Folgen die Globalisierung für die einzelnen Beteiligten der globalen Verflechtung des Wirtschaftsgeschehens hat. Ein Exkurs zur Geschichte der Textilindustrie macht deutlich, wie dieser Wirtschaftszweig als Motor von Industrialisierung funktioniert. Ebenso wie das T-Shirt zählen Jeans zur globalen Kleidung, die überall auf der Welt getragen wird. Der Autor Richard Gerster hat den Weg einer Jeans nachgezeichnet, die in Europa verkauft wird. (Gerster, Richard: Globalisierung und Gerechtigkeit. hep-Verlag, Bern, 2001) Die in Indien oder Kasachstan produzierte Baumwolle wird in der Türkei zu Garn versponnen, das anschließend auf die Philippinen zum Einfärben geschickt wird. Die dafür verwendeten Farben stammen häufig aus Deutschland.

    Aus der gefärbten Baumwolle wird in Taiwan der Jeansstoff gewebt. Zugeschnitten wird mitunter noch in Europa. Genäht wird derzeit am häufigsten in China oder Bangladesch. Die für die Fertigung verwendeten Kurzwaren – wie Garne, Nieten und Knöpfe stammen oft aus Italien oder Frankreich. Ausgewaschene Jeans machen nun noch einen Abstecher nach Griechenland oder in die Türkei, wo sie mit Steinen gewaschen oder mit Sand gestrahlt werden. Nachdem ihr erster Käufer die Jeans in Deutschland oder anderswo gekauft und getragen hat, gelangt sie womöglich über eine Altkleidersammlung nach Afrika, wo sie ein zweites Mal verkauft und getragen wird. Per Containerschiff über die Ozeane, auf Schienen und Straßen reist eine Jeans und zuvor das Material für die Hose also mehrere Tausend Kilometer rund um den Globus.

    Reiserouten von Textilien damals und heute

    Begehrte Rohstoffe und Waren haben auch in der Geschichte lange Wege zurückgelegt. Eine der bekanntesten Handelsrouten, deren Name sofort an Kleidung denken lässt, ist die Seidenstraße – eine ungefähr 6.000 Kilometer lange Handelsstraße von Ost nach West, die Asien und Europa verband. Vor allem auf Kamelen wurden diverse Waren durch die Wüste und andere unwirtliche Gebiete transportiert. Transkontinentalen Handel zu organisieren, war schon in vergangenen Jahrhunderten eine komplexe Aufgabe.

    Es gibt Stimmen, die behaupten, die Textilwirtschaft sei schon seit der Antike ein „Global Player“. Deshalb sei sie seit langem ein Vorreiter der Globalisierung. Unabhängig davon, ob man dieser These zustimmen mag, steht fest: Textilproduktion ist heute ohne internationale Beziehungen und Verflechtungen undenkbar. Weltumspannende Netzwerke sorgen dafür, dass Rohstoffe und Zwischenprodukte an ganz unterschiedlichen Orten produziert und verarbeitet werden können bis sie schließlich als fertiges Produkt zum Verbraucher gelangen. Eine wesentliche Voraussetzung für das erfolgreiche weltumspannende Agieren der Textilwirtschaft ist der Service ebenso global aufgestellter Transport- und Logistikunternehmen. Das Gros der im Verlauf des verzweigten Produktionsprozesses in der Textilbranche anfallenden Transporte erfolgt per Containerschiff. Ein Beleg dafür ist das explosive Wachstum der Containerschifffahrt parallel zum Exportwachstum von Fertigwaren.

    Gleichzeitig gewinnt mit der enormen Ansiedlung von Industrie im asiatischen Raum auch die Seidenstraße wieder an Bedeutung. Neu erbaute Straßen erleichtern das Passieren vorher unwegsamer Gebiete in der industrialisierten Region und traditionelle Handelswege sind wieder zugänglich. Weitere Straßen werden im Zuge des von 32 asiatischen Staaten und den Vereinten Nationen seit 1992 wieder forcierten Asiatischen Fernstraßen-Projekts (Asian Highway Project) renoviert und ausgebaut. (vgl. http://www.unescap.org/jecf/p06highway.htm)

    Stationen und Wegbegleiter auf der langen Reise

    Textilproduktion ist ein komplexer Prozess, der eine Vielzahl einzelner Arbeitsschritte erforderlich macht. Dazu gehören:

    • die Herstellung und Aufbereitung von textilen Rohstoffen
    • die Herstellung von Garnen bzw. die Spinnstoffaufarbeitung (Waschen, Kämmen, Bleichen)
    • die Herstellung textiler Flächen bzw. Spinnstoffverarbeitung (Spinnen, Weben, Wirken, Stricken)
    • die Textilveredelung (Färben, Bedrucken, Ausrüsten)
    • die Konfektionierung (Fertigung von Bekleidung, Heimtextilien und anderem mehr)

    (vgl. Weidenhausen, Evelyn Merjem: Globalisierungsprozesse in der Textilwirtschaft insbesondere in der ökologisch ausgerichteten Branche. Dissertation, Geographisches Institut der Universität Stuttgart, 2010, 66)

    War es die kostbare Seide aus China, die auf der Seidenstraße nach Europa gelangte, bestehen heute rund die Hälfte unserer Textilien aus Baumwolle. So auch das T-Shirt und die Jeans. (vgl. Stoff Fakten; PDF-Datei, 49) Bleiben wir daher bei diesem Beispiel.

    Konkurrenzdruck und Umweltsünden bei der Baumwollproduktion

    Rund 180 Millionen Menschen arbeiten in der Baumwollproduktion. Auf ungefähr drei Prozent der weltweiten Ackerflächen wird Baumwolle heute in mehr als 80 Ländern angebaut. Für viele dieser Länder ist die Baumwolle eines ihrer wichtigsten Exportgüter.Auf dem Weltmarkt konkurrieren Entwicklungsländer und Industrieländer um den attraktiven Baumwollmarkt, der durch starke Preisschwankungen gekennzeichnet ist. Verantwortlich dafür sind in jüngster Zeit vor allem Spekulationsgeschäfte auf Rohstoffpreise. Hinzu kommen Subventionsprogramme, wie beispielsweise in den USA, die den Wettbewerb verzerren.

    Vor allem durch das Ausbringen großer Mengen von Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung und den Einsatz giftiger Entlaubungsmittel bei der maschinellen Ernte ist die Umweltbelastung beim Baumwollanbau extrem hoch. Nicht nur Boden und Wasser sondern auch die im Produktionsprozess Beschäftigten werden massiv geschädigt.

    Umweltbelastung bei der Verarbeitung

    Nach der Ernte wird die Baumwolle gereinigt, gebleicht, versponnen und verwebt. Schädigten in den Anbaugebieten eingesetzte Gifte Mensch und Natur, kommen nun der Baumwollstoff und seine Produzenten bei der so genannten „Veredlung“ mit diversen Chemikalien in Berührung. Häufig werden die entstehenden Abwässer nur unzureichend geklärt. An vielen Produktionsstandorten belastet der Chemiecocktail daher die regionalen Gewässer.

    Nähen für einen Hungerlohn

    Der Baumwollstoff erreicht (mitunter bereits zugeschnitten) als Textilhalbfertigprodukt eine der zahllosen Fabriken, in denen daraus ein T-Shirt, eine Jeans oder ein anderes Kleidungsstück genäht wird. Das Nähen ist der arbeitsintensivste Abschnitt bei der Herstellung von Bekleidung. Deshalb verlagern Unternehmen diese Arbeit zumeist in Billiglohnländer wie China, Hongkong, Taiwan, Bangladesch und andere. Vor allem junge Frauen sitzen an den Nähmaschinen und arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen im Akkord – oft sieben Tage pro Woche. Der Lohn, den sie dafür erhalten, reicht kaum zum Überleben.

    Fragwürdige Geschäfte mit Altkleidern

    Drittweltländer auf dem afrikanischen Kontinent werden seit Ende der 80er Jahre mit gebrauchten Textilien aus entwickelten Industrieländern überschwemmt. Auf Basaren und Märkten feilgeboten, verdrängten die ausrangierten Kleidungsstücke traditionelle Textilien. Als Folge brach vielerorts die einheimische Textilindustrie zusammen. Einige Länder reagierten mit einem Einfuhrverbot.

    Reisekostenabrechnung: Ausgewählte Zahlen und Fakten zur globalen Textilwirtschaft

    Fast 20 Millionen Tonnen Baumwolle wurden im Jahr 2000 weltweit in der Bekleidungsindustrie verarbeitet. (Informationsbroschüre Umweltamt Bayern, 2002, 3) Bezogen auf den Weltweiten Export betrug der Anteil von Fertigwaren 1950 weniger als 27 Prozent. Nach Angaben der Welthandelsorganisation WTO (World Trade Organisation) stieg dieser Anteil bis zum Jahr 2007 auf knapp 70 Prozent. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten 30 Millionen Menschen in Textil- und Bekleidungsfabriken. Die Mehrzahl von ihnen sind Frauen, die für Minimallöhne und oft ohne jegliche soziale Absicherung arbeiten.

    Ein Vergleich von Lohnkosten in der Bekleidungsindustrie spricht für sich. Wird in Deutschland (West) ein Stundenlohn von 18,01 Euro gezahlt, erhalten Beschäftigte in Polen nur 2,09 Euro pro Stunde. In Bulgarien wird eine Arbeitsstunde mit 83 Cent entlohnt. Eine Näherin in Bangladesch arbeitet für 8 Cent pro Stunde. (Quelle: Südwesttextil, Wirtschafts- und Arbeitgeberverband der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie)

    Wie das Statistische Bundesamt errechnete, stammen mehr als die Hälfte (knapp 55 Prozent) aller im Jahr 2008 nach Deutschland eingeführten Jeans aus asiatischen Billiglohnländern. Gaben Bundesbürger 1970 noch etwa zehn Prozent ihres Einkommens für Textilien aus, betragen die Ausgaben dafür heute nur noch gut die Hälfte.

    Eine Beispielrechnung der Clean Clothes Campaign veranschaulicht, wie sich die Kosten eines T-Shirts auf die an der Produktion und Vermarktung Beteiligten verteilen. Gerade mal ein Prozent des Verkaufspreises für das Shirt entfallen demzufolge auf Lohnkosten für dessen Herstellung. Transport und Steuern schlagen mit 13 Prozent zu Buche. Weitere 13 Prozent sind Fabrikkosten. Fast doppelt so viel (25 Prozent) werden in Markenwerbung investiert. Rund die Hälfte des erzielten Preises – und damit der weitaus größte Anteil – entfallen auf Kosten und Gewinn des Einzelhandels. (Vgl. http://www.cleanclothes.org/)

    Beim Verkauf von Textilien wächst der Marktanteil der Discounter seit Jahren stetig an. Nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft GfK ist der Anteil der Discounter am Textilmarkt in Deutschland mittlerweile auf fast 25 Prozent angewachsen. (vgl. taz. die tageszeitung vom 27.11.2008)

    Reisetagebuch – Globalisierung und ihre Folgen

    Beim regen Reiseverkehr rund um die Textilwirtschaft, drängt sich das romantische Bild vom Zusammenwachsen der Welt zu einem globalen Dorf auf, das Befürworter der Globalisierung oft bemühen. Ist dieses Bild tatsächlich hilfreich? Wie sieht dieses Dorf derzeit aus? Wie geht es seinen Bewohnern? Wer ist verantwortlich, wenn in einer Textilfabrik am Dorfrand Arbeiterinnen verbrennen, weil sie sich wegen vergitterter Fenster und verschlossener Türen vor einem ausgebrochenen Feuer nicht retten konnten? Diese und andere Fragen geben Anlass, über die gesellschaftlichen Dimensionen der Globalisierung nachzudenken.

    Die OECD definiert „Globalisierung als einen Prozess, durch den die Märkte und die Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden, als Folge der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und der Bewegung von Kapital und Technologie.“ (Weidenhausen, 88)

    Einige Wissenschaftler vertreten die Ansicht, Globalisierung sei nicht erst eine Erscheinung des ausgehenden 20. Jahrhunderts, sondern vielmehr historisch gewachsen. Nach diesem wirtschaftshistorischen Ansatz verhinderte zunächst der Kolonialismus die eigenständige Entwicklung in bestimmten Regionen der Welt. Mit der Expansion der kapitalistischen Wirtschaft setzte sich dies fort.

    Kulturtheoretiker verstehen Globalisierung als einen Prozess, der Veränderung von Kultur. Dabei geht es nicht allein und vor allem um ökonomische Zusammenhänge. Vielmehr bezieht sich diese Betrachtungsweise auf die gesamte Lebenswirklichkeit und rückt sämtliche Veränderungen der Gesellschaft in den Fokus. Gerade Kulturwissenschaftler konstatieren eine Vereinheitlichung der Lebensstile und des Konsumverhaltens im Zuge der Globalisierung. (vgl. Weidenhausen, 95)

    Für Fragen zum Zusammenhang von Kleidung und Globalisierung ist dieser Ansatz natürlich spannend. Denn die Textilwirtschaft spinnt ihre Fäden rund um den Erdball und die entstehenden Produkte werden weltweit vermarktet. Werbestrategen arbeiten daran, Kleidungsstücken ein bestimmtes Image zu verpassen. Produkte wie eine Jeans oder ein Shirt werden mit einem erstrebenswerten Lebensgefühl verknüpft. Griffige Slogans und global ausgestrahlte Werbespots tragen dazu bei, Konsumenten auf der ganzen Welt einheitliche Wertvorstellungen und Meinungen zu vermitteln. Kleidung scheint dafür besonders geeignet. Als Alltagsprodukt, das wir tagtäglich nutzen, ist sie zugleich allgegenwärtig – sehen und gesehen werden. Deshalb wirken Kleidungsstile natürlich auf die Lebenskultur zurück.

    Interaktion ist im Zeitalter der virtuellen Vernetzung der Welt nicht mehr an persönliche Begegnungen gebunden. Persönliche wie auch geschäftliche Informationen können unabhängig vom Standort in Echtzeit über Kontinente hinweg ausgetauscht werden. So wie der Konsument via Internet Produkte ordern und Verträge schließen kann, eröffnen die technischen Voraussetzungen natürlich auch Unternehmern unermessliche Chancen. Außerdem stellt die Informationsvernetzung einhergehend mit der Deregulierung der Kapitalmärkte eine weltweite Verfügbarkeit von Kapital sicher. Der Welthandel floriert, wobei eine ständige Zunahme des Exports von Fertigwaren zu beobachten ist, zu denen auch Textilien zählen.

    Wissenschaftler sprechen von einer Neoliberalisierung in allen Bereichen der Gesellschaft. „Durch den Neoliberalismus werden wirtschaftliche und soziale Standards neu definiert, der Kapitalismus nimmt eine globale Dimension an, in der eine grenzenlose Wirtschaft die Märkte selbst regeln soll“. (Weidenhausen, 96) Am Beispiel der Textilwirtschaft zeigt sich, wie das funktioniert und welche Schatten die Globalisierung wirft.

    Unternehmen der Textilwirtschaft nutzen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in verschiedenen Ländern und Regionen für ihre Zwecke. Sie picken sich sozusagen die Rosinen aus dem Kuchen. Dazu gehören unter anderem die freien Exportzonen (FEZ), deren Zahl sich seit Ende der 90er Jahre vervierfacht hat. Unternehmen werden hier nicht nur mit Grundstücken samt Wasser- und Stromanschluss zum Nulltarif angelockt. Häufig sind sie zugleich von sämtlichen Steuern befreit und dürfen die Gewinne frei in ihr Heimatland transferieren. Der Internationale Währungsfond (IWF) hat diese Sonderzonen immer wieder als Chance für Entwicklungsländer angepriesen. Deren Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung dieser Regionen erfüllen sich jedoch nur bedingt. Die einzigen, die wirklich davon profitieren, sind die ausländischen Firmen.Zwar entstehen neue Arbeitsplätze, doch stabile Wirtschaftsbeziehungen und längere Vertragsbindungen sind Schnee von gestern. Sind auf dem globalen Markt anderswo Arbeitskräfte noch billiger zu haben, geht der nächste Auftrag dorthin. Gerade in der Textilindustrie verlagern Unternehmen die arbeitsintensive Herstellung von Kleidung vorzugsweise in die Länder mit den niedrigsten Lohnkosten und geringen Sozialstandards. Es sind vor allem junge Frauen, die in engen Fabrikhallen für einen Hungerlohn T-Shirts und Jeans zusammennähen, die später in den Konsumtempeln des Westens oder im Internet feilgeboten werden.

    Löhne, die kaum zum Überleben reichen und katastrophale Arbeitsbedingungen manifestieren die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung. Zu den Verlierern gehören mehr und mehr auch Menschen in entwickelten Industrieländern. Auch hier gibt es zunehmend prekäre Arbeitsverhältnisse mit der Folge, dass der Lohn für eine Vollzeitbeschäftigung nicht ausreicht, eine Familie zu ernähren.

    Im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung hat Ingeborg Wick die Auswirkungen des liberalisierten Weltmarktes für Textilien und Bekleidung untersucht und ihre Forschungsergebnisse im Rahmen einer Studie veröffentlicht. Darin weist Wick nach, wie viele Menschen weltweit unter den Effekten der Globalisierung leiden. Sie ist überzeugt, dass „einen direkten Zusammenhang zwischen dem Reichtum Einiger und der Armut vieler Menschen vor allem in Entwicklungsländern gibt“. (Wick, Ingeborg: Soziale Folgen des liberalisierten Weltmarkts für Textil und Bekleidung: Strategien von Gewerkschaften und Frauenorganisationen. Eine Studie im Auftrag der Otto Brenner Stiftung, OBS Arbeitsheft 62, Frankfurt/Main, 2009, 2) Hauptprofiteure dieser Entwicklung sind ihrer Meinung nach vor allem multinationale Unternehmen. Sie nutzen ihre ökonomische Macht, prägen den Arbeitsalltag ihrer Beschäftigten an den unterschiedlichen Standorten ihrer globalen Produktions- und Lieferketten und spielen so die Arbeitenden in unterschiedlichen Regionen gegeneinander aus.

    Wick kommt zu dem Schluss: „Die Öffnung nationaler Märkte und Produktionsverlagerungen der Textil- und Bekleidungsindustrie erlaubte es zahlreichen multinationalen Importunternehmen, ihre Marktanteile um den Preis der Verdrängung von Konkurrenten und eines sozialen Wettlaufs nach unten zu vergrößern. In der Exportorientierung dieser Industrie vernachlässigten die meisten Entwicklungsländer ihre eigenen Märkte, die im Unterschied zur Überproduktion und Übersättigung in den Hauptkonsumregionen USA, EU und Japan unterversorgt blieben. Der Liberalisierungsschub … und der krisenbedingte Rückgang von Industrie und Handel werden zu einer Zuspitzung dieser Konflikte führen“. (Wick, 5)

    Initiativen gegen die Auswüchse der Globalisierung in der Textilwirtschaft

    Die rege Reisetätigkeit von der Baumwollproduktion bis hin zum T-Shirt für 4,95 Euro oder zur Jeans für 9,95 Euro in der Filiale einer Handelskette und von dort in den Kleiderschrank eines Verbrauchers in Europa illustriert anschaulich, welche Auswirkungen die Globalisierung auf die Bekleidungs- und Textilproduktion hat. Die gravierenden Folgen der Globalisierung werden seit langem kontrovers diskutiert. In der Textilbranche zeigen sie sich in aller Deutlichkeit. Gefragt ist hier die soziale Verantwortung von Unternehmen ebenso wie eine notwendige politische Ausgestaltung des Globalisierungsprozesses. Nicht zuletzt können Verbraucher in entwickelten Industrieländern dafür sensibilisiert werden, dass sie mitverantwortlich sind für Missstände in Entwicklungsländern, die auch auf sie selbst zurückwirken. Letztlich besitzen sie als Konsumenten eine nicht zu unterschätzende Macht auf dem globalen Markt und können durch ihr Kaufverhalten einen kleinen Beitrag auf dem Weg zu einer gerechteren Welt leisten.

    Initiativen für menschenwürdige Arbeit

    Wick plädiert für den Zusammenschluss neuer sozialer Allianzen, zu denen internationale Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, soziale Bewegungen, Frauenorganisationen und andere mehr gehören. Nur auf diesem Wege lassen sich ihrer Meinung nach die strukturellen Rahmenbedingungen unseres Wirtschaftssystems verändern. Einige solcher Allianzen existieren bereits. Der Präsident der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter-Vereinigung (ITBLAV) Manfred Schallmeyer erklärt dazu: „In Allianzen mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen hat die ITBLAV als Vertreterin von 220 Gewerkschaften in 110 Ländern dieser Welt erfolgreich zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer 10 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gearbeitet. Menschenwürdige Arbeit mit Löhnen, die zum Leben reichen, waren und bleiben die zentrale Forderungen der internationalen Gewerkschaftsbewegung“. (Wick, 2)

    Im Zusammenwirken mit Gewerkschaften beschloss die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bereits Ende der 90er Jahre Kernarbeitsnormen, die grundsätzliche Prinzipien und Regeln bei der Arbeit festschreiben. Die Organisation für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat auf dieser Basis Grundprinzipien und Leitsätze für multinationale Unternehmen erarbeitet, einschließlich des Konzepts der Corporate Social Responsibility (CSR), der sozialen Verantwortung von Unternehmen. Insgesamt 51 internationale Organisationen – darunter Menschenrechtsverbände, entwicklungspolitische Organisationen, Gewerkschaften sowie Umwelt- und Verbraucherverbände – haben sich zum CorA-Netzwerk zusammengeschlossen. Engagiert tritt das Netzwerk für eine Unternehmensverantwortung ein, die sich am Gemeinwohl orientiert. Ihre Forderungen reichen von einer gerechten Unternehmensbesteuerung über Rechenschafts- und Publikationspflichten für Unternehmen bis hin zu eindeutigen Haftungsregeln. In internationalen Wirtschaftsabkommen wie auch bei der Wirtschaftsförderung sollten die Pflichten der Unternehmer klar definiert werden. Öffentlicher Aufträge sollten nur an Firmen vergeben werden, die diese Mindeststandards einhalten.

    In Sachen Textilwirtschaft mischt sich die Kampagne für saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) seit mehr als 20 Jahren aktiv in die Diskussion ein. 1990 in den Niederlanden gegründet, existiert sie als Netzwerk unabhängiger nationaler Plattformen in 12 europäischen Ländern. Vertreter der Kampagne untersuchen und dokumentieren die Ausbeutung von Textilarbeitern, verhandeln mit Unternehmensvertretern und unterstützen Arbeitnehmerorganisationen in den betroffenen Ländern. Ziel der Kampagne ist es, die Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungs- und Sportartikelindustrie zu verbessern. Eine von der Kampagne vorgelegte Studie analysiert minutiös die Arbeitsbedingungen in ausgewählten Textilbetrieben, dokumentiert Arbeitsrechtsverletzungen und schildert, welche Auswirkungen die Einkaufspraktiken der Discounter auf die Arbeitsverhältnisse haben. Missstände in der globalen Bekleidungsindustrie werden öffentlich gemacht und Auswege aufgezeigt. Damit appelliert die Kampagne an die Verantwortung von Unternehmern aber auch von Politikern und Verbrauchern.

    Basierend auf den von der Internationalen Arbeitsorganisation erarbeiteten Kernarbeitsnormen entwickelte die Clean Clothes Campaign gemeinsam mit internationalen Gewerkschaften einen Arbeitsverhaltenskodex für die Bekleidungsindustrie.

    Ein Beispiel dafür, dass auf Unternehmerseite ein Umdenken einsetzt, ist die Behandlung von Jeans mit Sandstrahlen, um ihnen einen lässigen Gebraucht-Look zu verpassen. Viele Arbeiter, die mit der Sandstrahltechnik arbeiten, erkranken an der unheilbaren Lungenkrankheit Silikose und sterben qualvoll. Seit Herbst 2010 prangert die Kampagne diese menschenverachtende Produktionsweise massiv an und ermuntert Verbraucher zum Protest bei Jeansproduzenten. Auf Druck der Konsumenten in Form von tausenden E-Mails sahen sich zumindest einige Markenfirmen seitdem gezwungen, das Sandstrahlen ihrer Jeans zu verbieten. (Kampagne für saubere Kleidung: Rundbrief 2/3-2010)

    Nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Medienberichte sehen sich Markenfirmen aber auch mehr und mehr Handelsketten und Discounter in der Kritik. Um Imageschaden abzuwenden, versuchen sie über Qualitätssiegel und Zertifikate nachzuweisen, dass ihre Produkte umweltschonend und unter menschlichen Arbeitsbedingungen hergestellt werden.

    Zertifizierte Kleidung

    Ein solches Zertifikat bietet die Fair Wear Foundation (FWF). Gegründet 1999 im Verbund von Branchenverbänden der Textilwirtschaft, Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen (darunter die Clean-Clothes Campaign) engagiert sich auch die FWF für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie. Unternehmen, die der FWF beitreten, akzeptieren damit ein internes und externes Monitoring ihrer Lieferanten auf Einhaltung der im Arbeitsverhaltenskodex der Fair Wear Foundation festgelegten Normen. Basierend auf der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und international ratifizierten Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) gehören zu diesem „Code of Labour Practice“ der FWF beispielsweise das Verbot von Kinderarbeit, rechtlich verbindliche Arbeitsverträge, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen und das Recht auf einen existenzsichernden Lohn. Zwangsarbeit und Diskriminierung am Arbeitsplatz sind ebenso tabu wie überlange Arbeitszeiten. Als unabhängige Instanz überprüft die Organisation, ob die Produktionsfirmen ihrer Mitglieder diese internationalen Standards für sozial gerechte Arbeit einhalten.

    Verantwortung des Konsumenten

    Zahlen bestätigen, was wir eingangs nur vermutet haben: Die wenigsten Verbraucher machen sich Gedanken über den Preis ihrer Kleidung, und wie er zustande kommt. Eine Umfrage des Branchenblattes "Textilwirtschaft“ ergab, dass gerade einmal fünf Prozent der Verbraucher darauf achten, unter welchen Bedingungen die Bekleidung hergestellt wird, die sie kaufen. Die Mehrzahl der Befragten (70 Prozent) ist der Meinung, dafür seien allein die Textilproduzenten und Händler verantwortlich. Wie das Beispiel des Verbots der Sandstrahltechnik bei der Herstellung von Markenjeans zeigt, dass die Macht der Verbraucher größer ist, als viele von ihnen vermuten.

    Quellenverzeichnis / Literatur:

    Rivoli, Pietra: Reisebericht eines T-Shirts: Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft. Econ-Verlag, Düsseldorf und Wien, 2006
    Gerster, Richard: Globalisierung und Gerechtigkeit. hep-Verlag, Bern, 2001
    Weidenhausen, Evelyn Merjem: Globalisierungsprozesse in der Textilwirtschaft insbesondere in der ökologisch ausgerichteten Branche. Dissertation, Geographisches Institut der Universität Stuttgart, 2010
    Informationsbroschüre Umweltamt Bayern, 2002
    Wick, Ingeborg: Soziale Folgen des liberalisierten Weltmarkts für Textil und Bekleidung: Strategien von Gewerkschaften und Frauenorganisationen. Eine Studie im Auftrag der Otto Brenner Stiftung, OBS Arbeitsheft 62, Frankfurt/Main, 2009
    Kampagne für saubere Kleidung: Rundbrief 2/3-2010
    taz. die tageszeitung vom 27.11.2008

    Verweise

    ITGLWF
    OECD
    Südwesttextil, Wirtschafts- und Arbeitgeberverband der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie
    Stoff Fakten; PDF-Datei
    Clean Clothes Campaign
    Asian Highway Project / Informationsseite der UNESCAP
    NIXSPAM.simone.muenzer@yahoo.de
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